Buchvorstellung von Der 12. Mann von Stefanie Steudemann und Peter Glückstein

Durch | 18. Februar 2025

Vollamateure Bücher über Fußball gibt es viele – und darunter finden sich einige echte Perlen. Der 12. Mann von den Herausgebern Stefanie Steudemann und Peter Glückstein gehört allerdings nicht dazu. Ganz im Gegenteil: Dieses Buch stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass eine gute Idee nicht automatisch ein gutes Endprodukt ergibt.

Die Idee war gut, die Umsetzung mangelhaft

Das Buch versammelt insgesamt 52 Beiträge, in denen Fans über ‚ihren‘ Profiverein schreiben. Die Idee dahinter klingt zunächst vielversprechend: Authentische Stimmen aus der Fanszene angereichert mit einigen Comics sollen einen direkten Einblick in die Fußballkultur der jeweiligen Vereine geben. Jede der damaligen 36 Mannschaften aus der ersten und zweiten Bundesliga sowie weiteren Teams aus der dritten Liga werden dabei abgedeckt.

Das Problem: Während echte Fußball-Fanzines oft mit Kreativität, Witz und Insiderwissen punkten, fehlt es in Der 12. Mann an all diesen Qualitäten. Viele der Texte wirken lieblos zusammengeschrieben, sind stilistisch schwach und bieten keinerlei tiefgehende Einblicke. Manche Beiträge erinnern an einfache Schulaufsätze, andere lesen sich wie hastig verfasste Postkarten aus dem Ferienlager – voller Begeisterung, aber ohne Substanz. Emotionale Tiefe, echte Fan-Anekdoten oder kluge Analysen? Fehlanzeige!

Weit von Fankultur entfernt

Ein gutes Fußballbuch lebt von mitreißenden Geschichten, klugen Beobachtungen und einem gewissen Humor. In Der 12. Mann sucht man all das vergeblich. Stattdessen erwarten die Leser eine Aneinanderreihung belangloser Erinnerungen und Phrasen, die kaum über Stammtisch-Niveau hinauskommen. Statt fesselnder Fan-Erfahrungen bekommt man platte Statements und leere Floskeln serviert.

Das mag für eingefleischte Anhänger einzelner Vereine in Teilen unterhaltsam sein, aber wer sich auf tiefere Einsichten in die Fankultur freut, wird enttäuscht. Die meisten Texte hätten dringend eine bessere redaktionelle Bearbeitung gebraucht – sowohl inhaltlich als auch stilistisch.

Buchumschlag von Der 12. Mann mit dem Teppich-Überzug.
Auffällig an dem Buch ist vor allem der teppichartige Überzug.

Das Beste am Buch: Der Umschlag

Während der Inhalt kaum überzeugt, kann zumindest das äußere Erscheinungsbild des Buches für Aufsehen sorgen. Das Cover ist mit einem Teppichstoff ummantelt, der an Rasen erinnern soll. Diese ungewöhnliche Gestaltung macht Der 12. Mann zu einem optischen Hingucker – zumindest im Regal. Wer das Buch nicht liest, sondern nur als Deko nutzt, hat damit vielleicht noch am meisten Freude. Vielleicht wäre das Budget jedoch besser in talentiertere Autoren statt in dieses Gimmick investiert gewesen. Sollte es jemals eine Fortsetzung geben, wäre es ratsam, die bisherige Herangehensweise gründlich zu überdenken.

Für wen ist dieses Buch geeignet?

Trotz der vielversprechenden Grundidee enttäuscht Der 12. Mann auf fast allen Ebenen. Es fehlt an inhaltlicher Tiefe, an sprachlicher Qualität und an echten Fan-Geschichten, die den Leser mitnehmen. Wer ein gutes Fußballbuch sucht, ist hier definitiv falsch.

Empfohlen werden kann das Buch eigentlich nur unter zwei Bedingungen:

  • Als Geschenk für jemanden, den man nicht leiden kann. Wer einem Fußballfan eine Freude machen will, greift besser zu einem anderen Titel.
  • Als kurioses Deko-Element. Dank des auffälligen Teppichumschlags macht sich das Buch im Regal vielleicht ganz gut – vorausgesetzt, man blättert nicht darin.

Kurz gesagt: Der 12. Mann ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ein spannendes Fußballthema in einem langweiligen Buch versenkt. Wer wirklich gute Fan-Geschichten lesen will, greift lieber zu Fanzines oder Büchern von echten Fußballautoren.

Der 12. Mann jetzt bestellen!!

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